Michael Schindhelm | PORTRAIT ANGELA MERKEL

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Portrait Angela Merkel

Aufmerksamkeit, scheint es, ist ultimativ das höchste Gut unserer Zeit. Wer sie hat, ist reich, wer sie haben will, muss reich sein, um sie zu erlangen. Aufmerksamkeit erreicht man durch Inszenierung bzw. Selbstinszenierung. Zur Massenverbreitung der Blockbuster-Filme von Hollywood werden längst mehr Mittel für Werbung ausgegeben als für die Produktion. Werbung ist Aufmerksamkeitserregung. Alles will Aufmerksamkeit erregen. Der Eigentümer von CNN, der die UNO in zehn Jahrestranchen mit einer Milliarde Dollar unterstützt, und der Kanton Basel-Stadt, der auf Druckerzeugnissen von Kulturprojekten, die er fördert, unter den Sponsoren genannt sein möchte. Selbst die Ankündigung des Wetters von morgen folgt dem Prinzip der Aufmerksamkeitserregung: Sieh und hör uns zu, wir bieten dir den ultimativen Wetterbericht! Und jeden Tag wiederholt sich die Inszenierung, und jeden Tag so, als sei sie ein einmaliges Ereignis, das sich dem Zuschauer unauslöschlich in Erinnerung brennen soll. Natürlich haben wir zwei Tage später die Wettervorhersage von gestern längst vergessen, selbst die Weltnachrichten erinnern wir nur noch dürftig. Die Kehrseite der Aufmerksamkeit ist das ultimative Vergessen.

Nach zehn Jahren des Auf- und Abschaukelns auf den öffentlichen Gewässern der Aufmerksamkeit scheint Angela Merkel nun – ultimativ (?) – auf dem Leuchtturm dauerhafter Präsenz angekommen zu sein. [...]

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