Die Schweiz im Jahr 2050. Ein Gespräch mit Gemini für das Tagesanzeigermagazin Zürich
Claudio Bucher und ich haben uns bei dieser Untersuchung nicht streng wissenschaftlicher Methoden bedient, denn wir sind keine KI-Experten, sondern bloss eifrige Anwender. Die KI ist weder eine künstliche Expertin, noch kann sie die Zukunft kennen. Die KI ist ein Produkt unserer Zeit, das sich mit rasantem Tempo entwickelt und dementsprechend Einfluss darauf nimmt, wie wir Realität erleben, beurteilen und beeinflussen. Sie greift auf ein riesiges Archiv von menschlichem Wissen zu, mit dem sie trainiert worden ist. Dieses Wissen ist ein Produkt der Vergangenheit, bestenfalls der
allerjüngsten Vergangenheit.
Insofern sagt eine Vorhersage der KI mindestens so viel über die Gegenwart aus wie über die Zukunft. Was Untersuchungen dieser Art dennoch interessant macht, ist, dass die KI in extrem viel kürzerer Zeit als wir selbst dieses Wissen verarbeitet. Durch diesen Prozess einer statistischen Recherche in der Bibliothek der KI können Szenarien entwickelt werden, zum Beispiel für die Schweiz im Jahr 2050.
Mit KI sind in unserem Fall die sogenannten grossen Sprachmodelle gemeint, die darauf trainiert wurden, menschliche Sprache zu spiegeln, zu generieren und zu verarbeiten. Künstliche Intelligenz ist bekanntlich nicht unfehlbar. Das System wird beeinflusst von der Art, wie gefragt wird, und davon, welche Fragen gestellt werden. Das System ist auch (noch) nicht vollkommen stabil. Selbst wenn ich dieselbe Frage wiederhole, bekomme ich möglicherweise voneinander abweichende Antworten. Das System hat noch kein zuverlässiges Langzeitgedächtnis. Bei umfangreichen Dialogen mag es inkonsistente Positionen beziehen, weil es sich nicht an seine früheren Aussagen erinnert. Für unsere Untersuchung haben wir verschiedene Modelle (Claude, ChatGPT, Gemini) ausprobiert und beobachtet, dass sie sehr ähnliche Antworten geben. Das spricht für ihre relative Konsistenz. Wir haben uns schliesslich auf Gemini konzentriert und nach verschiedenen Tests zu wichtigen gesellschaftlichen Parametern wie Gesellschaft, Politik, Wirtschaft,
Kultur entschieden, auf detaillierte Prompts zu verzichten.
Stattdessen haben wir das Modell nach den zehn wichtigsten und radikalsten Veränderungen in der Schweiz von 2050 gegenüber heute gefragt. Um die Antworten auf ihre Wahrscheinlichkeit hin zu prüfen, haben wir die zentrale Frage mehrere Male wiederholt und so das Modell bezüglich der Plausibilität seiner
Antworten hinterfragt. Das hat zu einem Konvolut von Material geführt. Wir haben ausschliesslich Wiederholungen aus dem Dialog entfernt und ausufernde Erklärungen gestrichen, jedoch keine inhaltlichen Eingriffe in die Antworttexte vorgenommen.
Die KI spricht «wörtlich».